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Genial-Genital

Fotos von Manuel Laval
Die Kurzfassung

Ein Großteil unserer Kultur beschäftigt sich mit Partnerbeziehungen und Sexualität. Ein körperlicher Bereich wird jedoch meistens ausgespart. Genitalien werden nur in der Pornografie ausgiebig gezeigt. In einen ästhetischen und kulturellen Zusammenhang werden sie selten gesetzt.

Es existiert in unserer Kultur eine Lücke, ein weißer Fleck auf der Landkarte unserer Beziehungen.

Ich versuche diese kulturelle Lücke mit meinen Fotografien zu schließen. Die BetrachterInnen zum Nachdenken über das Verhältnis zum eigenen und fremden Körper und über die Lust beim Sehen anzuregen.

Meine Fotografien laden die BetrachterInnen ein, Voyeurismus als angenehm und positiv zu erleben,

denn:

Aufregendes kann ästhetisch sein!

 

Der Hintergrund

 

Meine Fotografien richten sich gegen vorhandene sexuelle Tabus.

Warum gerade in der jetzigen Zeit, gegen welche Tabus denn noch, wo verstärkt Berichte über Kinderpornographie, Mädchen- und Frauenhandel etc. durch die Medien gehen? Wo in Talkshows, Presse und anderen Medien auch kleinste sexuelle Details oder Verhaltensweisen an die Öffentlichkeit gezerrt werden? Wo alle beteuern, alles sei erlaubt, jeder könne sich ausleben? Beim genauen Hinsehen erkennt man, daß der Begriff „sexuelle Freiheit" oberflächlich und fassadenhaft ist.

Uneingeschränkt findet nur die kommerzielle Ausbeutung der Erotik in Pornografie, Prostitution, Stripshows, Werbung oder der Yellow-Press statt. Selbst Illegales ist fast uneingeschränkt verfügbar.

Die Kommerzialisierung der Sexualität macht auch vor Problemthemen wie Kinderpornografie, Aids, und Gewalt nicht halt. Diese werden in den Medien marktschreierisch breitgetreten und statt sinnvoller Aufklärung erfolgt eine Hysterisierung der Gesellschaft. Die Einschaltqoute steht vor klarer Berichterstattung, offener Diskussion, und sinnlicher Erfahrung.

Die Sexualität als schönste zwischenmenschliche Begegnung, wird überwiegend vom Geld beherrscht. Junk-Sex ist in. Trivialität regiert die Sexualität. Sex und Erotik haben dadurch einen faden Beigeschmack bekommen und können in der Kultur kaum noch unvoreingenommen verwendet und eingebunden werden.

Viele KünstlerInnen haben Angst davor, sich mit Erotik zu beschäftigen und diese darzustellen, weil sie befürchten, in die „Schmuddelecke" sortiert zu werden. Es bestehen auch konkrete Einschränkungen, wie Zensur im Fernsehen, im Kino, Angst bei den Fördergremien, bei Redakteuren u.s.w. So ist es nicht möglich, eine tabufreie erotische Szene in einen kulturell wertvollen Film zu bringen, ohne in den Verdacht des schlechten Geschmacks, der Spekulation zu kommen. Der Schere im Kopf fallen freizügige Szenen, obwohl sie dem Film gut täten, zum Opfer, da eine einzige zu offene Szene das ganze Projekt durch rechtliche Probleme, Zensur, schlechte internationale Vermarktungsmöglichkeit, u.s.w. gefährdet.

Auf der anderen Seite entstehen merkwürdige Zensurauswüchse wie z. B. in Japan: Pornografie (sogar mit Kindern) darf gehandelt werden, wenn nur die Genitalien und Schamhaare durch Pixelung verdeckt sind.

Die Pornografie ist ein großer Markt. Die Bedürfnisse des Einzelnen diese zu konsumieren sind eigentlich legitim (Warum auch nicht?). Pornografie ist jedoch eindimensional, immer dasselbe: Lecken, Ficken, Blasen. Das ist Junk-Food-Sexualität. Kreativität und Phantasie bleiben auf der Strecke.

An erotischer Kultur, bzw. das was man so nennen kann, gibt es kaum etwas. Museen für erotische Kunst zeigen meist nur Oberflächliches oder wieder nur Pornografie. Nur selten findet man Kunstwerke oder Antiquitäten aus anderen Kulturen, die beweisen, daß Erotik und Sexualität in Kunst und Alltag unbefangen zu integrieren sind.

Selbstverständlich gibt es auch sinnvolle und notwendige Verbote: Gewalt gegen Kinder und Erwachsene.

Direkte Gewaltdarstellungen jeglicher Art haben in den Medien zugenommen, sind zum Massenkonsumgut geworden und die Zensur, auch gegenüber Kindern und Jugendlichen, wird weit weniger streng gehandhabt als im erotischen Bereich.

Beziehungen scheitern oft aus Gründen sexueller Unzufriedenheit, die partnerschaftliche Kommunikation über erotische Wünsche und Träume ist eher noch spärlich und mit Hemmschwellen besetzt (Was denkt der andere denn nur von mir, wenn ich meine Wünsche äußere?). Die Vielzahl der Beziehungen sind von Besitzdenken, Eifersucht, Unehrlichkeit, Sprachlosigkeit und Mißverständnissen geprägt.

Ergebnis: Die existierende erotische Kultur bringt uns auf Distanz, weg vom eigentlichen Erleben &endash; wir sind im Klischee gelandet.

Die Utopie

Kultur ist ein Entwicklungsprozess. Meine Utopie ist, daß sich Erotik in der Kultur so weit entwickelt, so offen diskutiert und so anerkannt wird wie Essen, Musik oder Freizeit. Unvoreingenommener Gedankenaustausch fände statt. Überflüssig wären dann heimliches Grinsen, süffisante Witze, und unausgesprochene Gemeinheiten zwischen Männern und Frauen.
Sehen,
Voyeurismus würde Spaß machen, ohne faden Beigeschmack, wäre nichts Negatives: schauen mit Lust und Ästhetik. Exhibitionismus, sich zeigen, die Lust angeschaut zu werden, wäre als Vergnügen anerkannt, nicht verborgen, oder in ein Milieu (Strip, Porno und Co) verbannt, wo die Kommerzialisierung und die gesellschaftliche Ächtung aus der Kultur eine Junk-Kultur machen.

 

Die Bilder

Ich versuche die ausgeklammerten Bereiche für die Kultur zurückzuerobern. Meine Bilder von Genitalen sind nur eine Möglichkeit, zum Nachdenken anzuregen. Auch die erotischen Performances, weitab von Discostrip und Tabledance, die ich zusammen mit der Gruppe ´Der Körper´ veranstaltet, führen aus dem üblichen heraus und zum Nachdenken und Genießen.

Dabei sprechen die Bilder verschiedene Ebenen an. Die ästhetische Ebene zieht den Blick an, sie erzeugt ein positives Gefühl. Die erotische Ebene kann, je nach BetrachterIn, erschrecken, provozieren, sogar abstoßen, aber auch anregen. Eine Rätselebene, da bei vielen Fotos nicht so ganz klar ist, wie sie gemacht sind und was sie genau darstellen. Das alles ergibt eine verwirrende, zum Nachdenken anregende Mischung.

Der Verstoß gegen das Tabu regt an und auf.

Beim Zeigen der Fotos (auf Ausstellungen, bei Performances) hat sich gezeigt, daß das Konzept funktioniert, die Fotos Nachdenken und Diskussionen auslösen.Beispiel: ein Paar fing an, sich über intime Details und Vorlieben zu unterhalten, die sie offensichtlich, obwohl sie schon jahrelang zusammenleben, noch nie untereinander diskutiert hatten.

 


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